Weisheitsgeschichten

Das Loch in der Straße

Ich gehe eine Straße entlang.
Da ist ein tiefes Loch.
Ich falle hinein.
Ich bin verloren.
Ich bin ohne Hoffnung.
Es ist nicht meine Schuld.
Es dauert endlos, wieder hinauszukommen.
Ich gehe dieselbe Straße entlang.
Da ist ein tiefes Loch.
Ich falle wieder hinein.
Ich kann nicht glauben, schon wieder am gleichen Ort zu sein.
Aber es ist nicht meine Schuld.
Immer noch dauert es sehr lange, herauszukommen.
Ich gehe dieselbe Straße entlang.
Da ist ein tiefes Loch.
Ich falle schon wieder hinein...
aus Gewohnheit.
Meine Augen sind offen.
Ich weiß, wo ich bin.
Es ist meine Schuld.
Ich komme auch sofort wieder heraus.
Ich gehe dieselbe Straße entlang.
Da ist ein tiefes Loch.
Ich gehe darum herum.
Ich gehe eine andere Straße.

- Sogyal Rinpoche -


Die Geschichte von den zwei Wölfen

Ein alter Indianer sitzt mit seiner Enkelin am Lagerfeuer und erzählt ihr folgende Geschichte:
„In jedem von uns tobt ein Kampf zwischen zwei Wölfen.
Der eine Wolf ist böse.
Er kämpft mit Neid, Eifersucht, Gier, Arroganz, Selbstmitleid, Lügen, Überheblichkeit, Egoismus und Missgunst.
Der andere Wolf ist gut.
Er kämpft mit Liebe, Freude, Frieden, Hoffnung, Gelassenheit, Güte, Mitgefühl, Großzügigkeit, Dankbarkeit, Vertrauen und Wahrheit.Das kleine Mädchen schaut eine Zeitlang ins Feuer, dann fragt es:
„Und welcher der beiden Wölfe gewinnt?“Der alte Indianer schweigt.
Nach einer ganzen Weile antwortet er:
„Der, den du fütterst.“

Quelle unbekannt

Wir können jeden Tag aufs Neue entscheiden, welchen Wolf in uns wir füttern …


Die Geschichte vom Esel und dem Pferd

Ein Esel und ein Pferd unterhalten sich. Der Esel fragt das Pferd: „Bist du zufrieden mit deinem Leben?“  Das Pferd sagt: „Ja, natürlich, ich habe viele Freiheiten.“ - „Welche?“ fragt der Esel. „Ich darf jeden Tag ausreiten, dann komme ich auf die Weide zu meinen Freunden. Wir haben immer genug zu fressen. Am Abend gehe ich in den Stall oder ich bleibe auf der Weide. Es bleibt mir überlassen.“ – „Na ja, das ist schon was. Hast du niemals Sehnsucht nach der wirklichen Freiheit, wo es keine Koppeln, keine Zäune und keine Ställe gibt?“

„Diese Freiheit kenne ich nicht“ sagt das Pferd, „wenn es sie gäbe, würde ich versuchen, dorthin zu gelangen.“

Da sagt der Esel: „Ich bin zwar nur ein Esel, doch ich habe als kleiner Esel diese Freiheit schon gesehen.“ – „Wo ist diese Freiheit?“ –

„Die Freiheit ist dort, wo der Himmel und die Weide sich berühren.“ – „Kennst du den Weg dorthin?“ fragte das Pferd.

„Ja sagte der Esel, wir müssen zuerst alle Hindernisse überwinden und überspringen, die uns daran hindern, dorthin zu gelangen.“

Das Pferd wendet ein: „Haben wir dort auch genug zu fressen und eine sichere Unterkunft?“

Der Esel sagt: „Dort ist alles in Fülle vorhanden, doch du musst selbst für dich sorgen. Dein Dach ist der Himmel, dein Fressen ist dort, wo du es findest.“ – „Zuerst redest du von der Freiheit“, meint das Pferd „und dann muss ich mich selbst um mein tägliches Futter bemühen.

Hier bekomme ich alles. Wenn der Winter kommt erhalte ich Heu, ich werde gebürstet, wenn ich krank bin, gibt mir der Tierarzt eine Spritze. Ich glaube, deine Freiheit ist mir zu anstrengend.“

Der Esel sagt darauf: „Ich wollte dir nur die Möglichkeit aufzeigen, dass es noch etwas Anderes gibt, als das, was du hier hast.“

„Danke für den Tipp“ sagt das Pferd und galoppiert in seiner Koppel herum. Der Esel denkt sich: „Es ist gar nicht so leicht, sich für die Freiheit zu entscheiden, weil ein jeder sie zuerst in sich selbst entdecken muss.“ 

Bist du ein Wildpferd, das in der Weite der Steppe frei unterwegs sein will?

Das Wildpferd denkt sich: „Ich kann ja in der Freiheit wieder Weggefährten finden, die ja auch frei sind und mit denen ich die Freiheit genießen kann. Ich muss ja nicht allein sein in der Freiheit.

Bist du ein Stallpferd, das versorgt wird?

Es freut sich, wenn es täglich gefüttert wird und „diese Sicherheit“ genügt bereits für ein erfülltes Leben.

Bist du ein Kutscherpferd?

Dieses will gerne auf festgefahrenen und oftmals begangenen Wegen ausreiten – es freut sich dann aber doch wieder, wenn es daheim gefüttert und gestriegelt wird.

Bist du ein Koppelpferd?

Dieses Pferd freut sich über einen beschränkten Auslauf, schätzt jedoch gleichzeitig die „Sicherheit“ des Zauns.

Manche fühlen sich wohl, wenn sie eingesperrt sind. Das Pferd in der Koppel denkt sich: „Was gibt es schöneres als ein Leben in der Koppel. Da werde ich gestriegelt, da werde ich ausgeritten, da werde ich gefüttert.

Es gilt zu erkennen, was bist du und nicht eine Rolle zu spielen, die dir nicht entspricht oder sogar zu sagen, dass du lernen musst, dich in der fremden Rolle zurechtzufinden.

Doch warum solltest du lernen, was du nicht sein willst?

-Gregor Sieböck & Martin Weber (aus dem Buch: "Was fehlt dir?")


Brief deiner Seele an dich

Ich bin es, deine Seele

Lange hast du nichts mehr von mir hören wollen,

doch tief in dir schlummerte ich – noch immer,

denn fort war ich nie!

Manchmal hörst du mich,

manchmal hörst du mir sogar zu,

doch vertrauen tust du mir sehr selten

oder womöglich nie!

Du hast so oft Angst vor mir-

Angst davor, dass ich dir etwas erzähle,

das du nicht hören möchtest,

Angst davor, dass ich dein gewohntes Leben

aus den Bahnen werfen würde.

Und diese Angst, du fühlst sie richtig,

denn das würde ich,

und ich werde es, sei dir gewiss!

Du hast folgenreiche Entscheidungen

für dein Leben getroffen in Zeiten,

in jenen du mich nicht hören konntest,

in Zeiten, in welchen die Stimmen derer um dich viel lauter waren.

Es gab Zeiten, da hast du dich so weit von mir entfernt,

 nicht mehr mit mir gesprochen,

mich ganz und gar vergessen!

Es gab Zeiten in jenen du glaubtest,

ich wäre für dein Leben unbrauchbar,

denn das was zählte im Leben

hätte mit mir nichts zu tun.

Du begannst dein Leben aufzubauen

und es klappte – irgendwie –

du hast dich daran gewöhnt!

Eines Tages, du hast mir schon lange nicht mehr zugehört,

du ranntest wirr umher, wie von Sinnen,

ohne recht zu wissen wozu und wohin überhaupt.

Eines Tages habe ich mich wieder bei dir gemeldet!

Ich erzählte dir ein paar Dinge

oder ich zeigte dir,

was du nicht übersehen konntest,

nicht überhören konntest.

Dann liefst du aber Gefahr,

vor den Scherben deines bisherigen Lebens zu stehen.

Mit einem Schlag –

gewiss fühlte es sich an wie ein Schlag ins Gesicht –

mit einem Schlag wusstest du,

dass alles, was du dir je ohne mich aufgebaut hast,

 zerstört werden würde, eines Tages!

Da kam dein Schmerz hoch, ganz schlimm,

schnell fortgehen sollte er,

bekämpfen musst du ihn.

Und doch,

meine Stimme konntest du fortan nicht mehr dauerhaft verbannen.

Du konntest dich nicht mehr ablenken

und dich weiter um den Aufbau deines Lebens kümmern,

wie du es zuvor konntest.

Du wusstest von jenem Moment an,

dass nichts mehr so bleiben oder wieder werden würde,

wie es vorher war.

Doch dein Schmerz,

er war groß und er ist´s bis heute.

Trotzdem schweige ich nicht mehr,

überall bringe ich dir Dinge,

welche du nicht mehr übersehen kannst,

nicht überhören kannst,

denn ich muss dich erinnern

und ich werde dich erinnern,

egal was du auch anstellst.

Ich bin ein Teil von dir,

wen oder was willst du bekämpfen?

Es tut mir leid,

dass dieser Weg so schmerzlich für dich ist,

doch wenn du ihn einst angenommen hast,

mich angenommen hast,

dann wirst du erkennen können,

was sich dir jetzt noch entzieht.

Erst dann wirst du begreifen,

weshalb alles genau so gekommen ist,

nur so geschehen konnte.

Ich deine Seele will nur dein Bestes!

Du aber willst im Moment nicht dein Bestes,

verwirrter, umherirrender Mensch,

der du vergessen hast, wer du in Wahrheit bist!

Du willst lediglich jenes nicht verlieren,

wofür du hart gearbeitet hast

und womit du viel Zeit verbracht hast.

Doch dein Bestes hast du so verraten!

Dein Bestes bin ich in dir, vereint mit dir,

im Gleichklang, kraftvoll!

Erst an jenem Tage,

nicht mehr den Schwätzern, Heuchlern und Flüsterern lauschen,

welche ihr eigenes Spiel spielen

und welche dich dafür brauchen und benützen!

Vorbei die Hektik einer verzweifelten Glückssuche

und äußerlichen Betäubung,

vorbei das besinnungslose herum Irren.

Ich bin schon in dir,

suchen musst du mich nicht,

mich anhören, mich ernst nehmen,

mir meine Anerkennung zurückgeben,

mich respektieren und erkennen,

als das Kraftvollste was du besitzt

und was du nicht erst mühsam außerhalb erzeugen müsstest.

Das ist deine Aufgabe,

früher oder später wirst du sie annehmen,

dafür sorge ich!

In tiefer Verbundenheit,

deine Seele!

„Quelle: http://eva-maria-eleni.blogspot.com/“

Das Licht in Dir...
– von Hartmut Lohmann –

Ich habe keine Farbe - wie könnte ich verblassen?
Ich habe keine Form - wie könnte ich sterben?
Ich habe keinen Namen - wie könntest du mich vergessen?

Was ich bin ruht und glüht in allen Dingen.
Die eine große Wahrheit, die so simpel ist:
Es gibt keinen Tod! Nichts und Niemand wurde je vergessen
den die Klarheit des einen Bewusstseins durchdringt uns alle.

Im Zustand der Klarheit erkennen wir, dass wir keine Person sind, kein Mensch, kein Körper, kein Geist. Unser Alltagsbewusstsein ist wie ein Zimmer, das wir bewohnen, voll gestellt mit allem was wir brauchen oder tagtäglich benutzen.

Nimmst du all das heraus, was in diesem Zimmer steht, bleibt am Ende nur einer übrig:
Du, als handelnde Person, die alles aus dem Zimmer herausgenommen hat.
Jetzt erkennst du, dass nur einer Unordnung in das Zimmer bringt: du selbst. Löst du dich in dieser Selbsterkenntnis auf, wirst du ein Zustand, unveränderlich, unzerstörbar, unendlich.
Jetzt bist du alles: Das leere Zimmer, das volle Zimmer, der Zustand der Fülle, der Zustand der Leere, du bist alle Personen, die jemals durch dieses Zimmer gelaufen sind, hin durchlaufen und jemals hin durchlaufen werden.

Du bist frei. Du bist ganz.

Du wirst jetzt fühlen, dass jeder Gegenstand in diesem Zimmer, jeder Inhalt deines Bewusstseins, gleichermaßen geeignet ist, Leid zu erzeugen. Das Gute wie das Schlechte kann uns Schmerzen zufügen, sobald wir aus der Trennung heraus handeln. Jedes Gefühl, das wir hegen, macht nur Sinn, wenn wir von einem realen Objekt ausgehen, dem dieses Gefühl gilt. Ich kann nur dann Angst haben, wenn ich davon ausgehe, dass dort etwas real existiert, das getrennt von mir ist. Solange du eins bist, gibt es keine Angst, denn du fürchtest dich nicht vor dir selbst.

Angst ist ein Zeichen der Trennung. Aber auch Freude ist ein Zeichen der Trennung, so wie auch jedes andere Gefühl. Gefühle brauchen ein Gegenüber, auf das sie sich richten. Im Zustand reinen Seins ergeben Gefühle keinen Sinn. Gefühle, gleich welcher Art, gehen aus der Trennung hervor und ziehen uns in die Trennung zurück. Auch die Liebe richtet sich von einer Person auf eine andere. Was wäre, wenn weder hier noch dort ein reales Gegenüber existierte? Was passiert mit der Angst, der Freude, der Trauer, der Liebe, wenn sie ihr Gegenüber verlieren?

Sie verschwinden nicht einfach, doch kehren sie in ihren (Ruhe-)Zustand zurück. Sie wechseln den Aggregatzustand, wandeln sich von der Quantität zur Qualität. Als Qualität ist die Liebe unendlich, ganz gleich wie viele ›Liebespartikel‹ du gerade verströmst. Als Qualität ist die Freude unendlich, ganz gleich wie viele Freude strahlen du gerade verschickst. Und als Qualität ist deine Erleuchtung unendlich, ganz gleich ob du dich gerade als Stein in der Wüste fühlst oder eingetaucht bist in den großen Ozean des Seins.